• Bild 1
  • Bild 2
  • Bild 3
  • Bild 4
  • Bild 5
  • Bild 6

Alte Musik, geradezu neu zelebriert

Oberbadische Zeitung, Lörrach 4.8.2014

„Arsatius Consort“ mit Werken von Händel, Bach Senior und Junior in Hauingen zu Gast

Von Walter Bronner

Lörrach-Hauingen. Wer da nicht partout auf die historisch informierte Musizierpraxis erpicht war, konnte am Samstagabend in Hauingens evangelischer Nikolauskirche Klanggenuss pur goutieren. Zu Gast war das renommierte, in Bayern beheimatete  „Arsatius Consort“, dessen einmaliger Abstecher ins Markgräflerland einem höchst privaten Kontakt seines Leiters Georg Brunner hierher zu verdanken ist.

Der seit zehn Jahren als Musikprofessor an der Pädagogischen Hochschule Freiburg wirkende Ensemblegründer und brillante Geiger präsentierte mit seiner prächtig aufgestellten Truppe der nicht übermäßig großen Hörergemeinde die mithin populärsten Referenzstücke aus den Federn von Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach und Bach-Junior Carl Philipp Emanuel und damit  ein barockes und frühklassisches Wunschkonzert par excellence. Und das in einer Wiedergabequalität, deren süffiger Sound ohrenbetörenden Wohlklang sondergleichen verströmte.

Das klang alles so  modern, als wäre es eben erst  komponiert worden, stringent in den Details, dazu tempobetont und spannungsvoll ohne Manierismen. Händels melodisch eingängige, von lebensfrohem und festlichem Klangduktus  geprägte Concerti grossi, D-Dur und G-Dur (Opus 6/5 und 6/1) eröffneten und beschlossen den berückenden Abend. Beide Tonschöpfungen gerieten in ihrer klaren tonalen Übersichtlichkeit und rhythmisch präzisen Profilierung höchst einprägsam. Spannungsgeladener Drive kennzeichnete auch die Wiedergabe von Carl Philipp Emanuel Bachs viel geliebter Sinfonie Nr. 3 für Streicher und Basso continuo. Dem vor genau 300 Jahren geborenen  Komponisten und Protagonisten der musikalischen Übergangszeit zur „Galanten Epoche“ lag bekanntlich viel daran, dass seine Musik nicht allein den Ohren schmeichle, „sondern müsse vornehmlich das Herz rühren“, was gerade diese kontrastbetonte, von Sturm- und Drang-Bewegtheit durchpulste Kammersinfonie effektvoll hervorkehrt.

Dann der barocke Tophit des Abends: Johann Sebastian Bachs immer wieder gern gehörtes Cembalokonzert D-Dur (BWV 1054), eine Bearbeitung seines eigenen E-Dur-Violinkonzerts (BWV 1042), mit dem famosen Solisten Gerhard Abe-Graf, der seinen Part im Verbund mit den Mitmusikern mit perfektionierter Spieltechnik geradezu organisch aus dem Orchester heraus entwickelte. Ein rasanter Allegro-Satz eines Vivaldi-Konzert war gern gewährte Zugabe für den freundlichen anhaltenden Applaus.