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Klare Stimmen und dichte Interpretation

Schrobenhausener Zeitung 26.11.2008 – von Andrea Hammerl

Eine umjubelte Aufführung erlebte der Messias von Georg Friedrich Händel in der Jakobskirche in Schrobenhausen. Aufgeführt wurde das Oratorium vom Arsatius Consort und dem Projektchor Schrobenhausen-Aichach. Dieses Mal warten die Konzertbesucher nicht bis zum letzten Glockenschlag. Einige Sekunden Zeit geben sie den ersten Glockentönen von St. Jakob zwar noch, dann aber ist kein Halten mehr: donnernder Applaus und Stehende Ovationen belohnen die wunderbare Aufführung des Messias von Georg Friedrich Händel. Genau 19 Jahre ist es her, dass das Oratorium zuletzt in Schrobenhausen zu hören war, wie Claus Huber, Vorsitzender des Fördervereins Freunde der Musik im Schrobenhausener Land eingangs anmerkt. Damals stand er selbst "genau dort, wo jetzt Thomas Laar steht", und das Publikum wartete ergriffen ab, bis der letzte Glockenton verhallt war. Wieder ist die Stadtkirche voll besetzt, wieder stehen "junge Spunde" im Chorraum, der in grün-gelbes und rotes Licht, passend zu Verkündigung und Passion, getaucht ist. Zwei Stunden tun dem gewaltigen Oratorium sehr gut. Die Aufführung wird auf das Wesentliche beschränkt, insbesondere im dritten Teil gekürzt. Eine gute Idee, denn erste Ermüdungserscheinungen im Publikum werden in der kurzen Atempause nach dem zweiten Teil offenbar, so dass sich Tobias Debold, erfahrener Chorleiter und von 2001 bis 2004 Musiklehrer am Gymnasium in Schrobenhausen, amüsiert umblickt. Unter Debolds klarer, energischer, aber schnörkelloser Führung zeigt der eigens gegründete Projektchor Schrobenhausen-Aichach, wozu er fähig ist. Freude drückt sich aus, nachdem Tenor Wolfgang Frisch überzeugend und zuversichtlich Erlösung verheißen hat, dann wieder gibt sich der Chor düster, weil das Weltgericht bevorstehen soll. "Wonderful" jubeln Sängerinnen und Sänger "For unto us a Child is born" und geben damit bereits einen Vorgeschmack auf das bekannte "Hallelujah", das am Ende des zweiten Teils für Furore sorgen wird, auch wenn in Schrobenhausen – anders als beispielsweise im angelsächsischen Raum üblich – weder aufgestanden noch mitgesungen wird. Für Arsatius Consort ist "The Messiah" das letzte Konzert im Reigen der Jubiläumsveranstaltungen zum 20-jährigen Bestehen. Das Ensemble für Alte Musik um Musikprofessor Georg Brunner gefällt in gewohnter Manier, fungiert als zuverlässiger Begleiter und übernimmt im ersten Teil, wenn "Das Kommen des Messias" verkündet wird, den Part des Erzählers, beschreibt in der Eingangssinfonie akkurat den Zustand der Sünde, in der Pifa (Pastoral-Sinfonie) die Geburt des Messias. Die Sopranpartie erfüllt Roswitha Schmelzl mit klarer, tragender Stimme. Ein bewegender und überzeugender Auftritt. Tenor Wolfgang Frisch gefällt in seiner Ausdrucksstärke und wird wie Bass Christian Schmidt den Anforderungen der Solopartien – im Übrigen im englischen Original zu hören – rundum gerecht. Allein am Altus scheiden sich die Geister. Countertenor Andreas Pehl erfüllt seinen Part, reicht aber stimmlich nicht an die Kollegen heran. Die Stimme, dank Falsetttechnik oder Kopfstimme um eine Oktave nach oben verlagert, verliert dadurch an Klangfülle und trägt einfach nicht in vergleichbarer Weise. "Mir wäre eine weibliche Altstimme lieber gewesen", ist nach dem Konzert zu hören, eine andere Konzertbesucherin meint dagegen: "Der Altus gehört einfach zum Händel dazu". Und was er an Volumen entbehre, das mache er durch "wunderbar weiche Stimme" wieder wett. Die Stimmlage des Countertenors ist nun mal Geschmackssache.