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Arsatius Consort geht neue Wege

Südkurier, Immenstaad, 30.5.2017

Das Ensemble spielt alte Musik auf sehr frische Weise. Bei seinem Konzert in Immenstaad anlässlich des Bodenseefestivals besticht es mit Lebendigkeit und Ausdrucksstärke.

Trampelpfade mögen sie nicht – schon gar nicht, wenn es um Barockmusik geht, dem Renner beim Publikum alter Musik. Das Arsatius Consort unter der Leitung seines Gründers Georg Brunner hat das Zeug, jedes Konzert wie eine Art Uraufführung erleben zu lassen. In der Region hat es das bereits bei einem Auftritt in der Musikschule Friedrichshafen bewiesen. Nun hat das Ensemble mit einer ganz besonderen Konzertkonzeption für das Bodenseefestival erneut seine Lust auf unbekannte Wege gezeigt: In der Jodokus-Kirche in Immenstaad präsentierte es – getreu dem Motto des Festivals – amerikanische Musik der Frühzeit und stellte sie ihren europäischen Wurzeln gegenüber.

Da kamen neue Namen ins Spiel. Wer kennt etwa Philip Phile? Der deutsch-amerikanische Violonist tat sich in der Neuen Welt auch als Komponist hervor, etwa des „President’s March“, den er für die Amtseinführung von George Washington schrieb. Mit diesem Marsch eröffnete das Ensemble, das diesmal in neunköpfiger Besetzung spielte, das Konzert – hinreißend leichtfüßig und wohl ausbalanciert im Zusammenspiel der historischen Streichinstrumente und des Cembalos.

Nach einem Abstecher in die Schatzkammern italienischer Barockmusik – zu dem ebenfalls weithin unbekannten Biagio Marini und zu Tomaso Albinoni – war der Weg zur „American Suite“ von Alexander Reinagle kürzer als ein Katzensprung.

Der Spross einer österreichisch-ungarischen Musikerfamilie gründete in Philadelphia und Baltimore Theaterkompagnien. Zu allen Aufführungen komponierte, arrangierte und orchestrierte er die Musiken. Bei einem Brand gingen die Originalpartituren weitgehend verloren. Für das Konzert in Immenstaad wurden einige Stücke eigens im Reinagle-Stil arrangiert, sie atmeten Heiterkeit und Optimismus.

Das Arsatius Consort hat sich der historisch informierten Aufführungspraxis verpflichtet, doch bei ihm ist das mehr als das korrekte Buchstabieren von Musiktheorie, dieses Musizieren hat nichts Hüstelndes und nichts Blutleeres an sich. Das ließ das Publikum auch bei den europäischen „Schwergewichten“ Corelli, Vivaldi, Händel und Carl Philipp Emanuel Bach aufhorchen, denen der zweite Programmblock gewidmet war.

Die Frische, mit der sich das Ensemble in das Concerto grosso D-Dur von Corelli stürzte, war so unwiderstehlich, die dynamische Ausgestaltung so springlebendig, dass man süchtig werden konnte nach dieser Musik.

Carl Philipp Emanuel Bachs Sinfonie Nr. 3 funkelte in aller Leuchtkraft der Klangfarben, Händels Concerto grosso G-Dur wie ein Juwel. Und in den jagenden Tempi von Vivaldis Concerto g-Moll blieb das Ensemble schwerelos-tänzerisch und geschlossen. Alte Musik erhebt es eben nicht auf den Altar vermeintlicher Authentizität, sondern musiziert höchst lebendig, innig und ausdrucksstark. Das Publikum dankte so viel stilkundige Brillanz mit begeistertem Applaus.