Südkurier - Friedrichshafen, 2.5.2012 von Elfi Braschel
Trio-Sonaten mit „Arsatius Consort“ auf Originalinstrumenten in der Musikschule Friedrichshafen
Deggendorfer Zeitung, 6.7.2010 von Helmut Gärtner
Mit Bravour musiziert
Metten. Zum
„Musikalischen Tafelconfect“ im Himmelbergschlösschen hatten sich zahlreiche
Zuhörer eingefunden. Das „Arsatius Consort“ war zu Gast und musizierte in
kammermusikalischer Besetzung: Markus Bartholome, Blockflöte, Georg Brunner und
Rita Brunner, Violine, Michael Rupprecht, Violoncello, und Gerhard Abe-Graf,
Cembalo,Hans Kriss, Rezitation. Einleitend die Sonate inG-Dur für zwei
Violinen, Violoncello und Cembalo von Arcangelo Corelli (1690), in
erfrischender Individualität, mit sanftem Ansatz und weicher Klangfarbe. Dann
ein Concerto für Blockflöte und begleitende Streicher von Francesco Gasparini
(1710) in transparenter Stimmführung und klanglicher Klarheit. Vom Großmeister
des Klaviers und Cembalos, Domenico Scarlatti, folgte die Cembalo-Solosonate
(1720). Durchsichtige Stimmführung und klangliche Exegese ist für
GerhardAbe-Graf eine Selbstverständlichkeit. Die Violoncello- Sonate von
Domenico della Bella (um 1700) weist schon in die Klassik, musiziert mit
Präsenz von Michael Rupprecht. Auf ein „Thema mit Variationen“ weist„La Follia“
von Antonio Vivaldi hin: Die Violinisten Georg und Rita Brunner meisterten
dieses Werk mit Bravour. Nach der Pause musizierten Flöte und Violine (M.
Bartholome und G. Brunner) in bester Eintracht eine Sonate von Melchior Chiesa
(1795). Am Ende alle Mitwirkenden mit Scarlattis festlichem a-Moll Concerto.
Die innere Verbindung macht hier den Unterschied, es klang, als spielten alle
„mit demselben Herzen“. Der Schauspieler und Theaterregisseur Hans Kriss
führte unterhaltsam und lehrreich durchs Programm.
Schrobenhausener Zeitung 26.11.2008 Von Andrea Hammerl
Klare Stimmen und dichte Interpretation Schrobenhausen (SZ) Eine umjubelte
Aufführung erlebte der Messias von Georg Friedrich Händel in der Jakobskirche
in Schrobenhausen. Aufgeführt wurde das Oratorium vom Arsatius Consort und dem
Projektchor Schrobenhausen-Aichach. Dieses Mal warten die Konzertbesucher nicht
bis zum letzten Glockenschlag. Einige Sekunden Zeit geben sie den ersten
Glockentönen von St. Jakob zwar noch, dann aber ist kein Halten mehr:
donnernder Applaus und Stehende Ovationen belohnen die wunderbare Aufführung
des Messias von Georg Friedrich Händel. Genau 19 Jahre ist es her, dass das
Oratorium zuletzt in Schrobenhausen zu hören war, wie Claus Huber, Vorsitzender
des Fördervereins Freunde der Musik im Schrobenhausener Land eingangs anmerkt.
Damals stand er selbst "genau dort, wo jetzt Thomas Laar steht", und
das Publikum wartete ergriffen ab, bis der letzte Glockenton verhallt war.
Wieder ist die Stadtkirche voll besetzt, wieder stehen "junge Spunde"
im Chorraum, der in grün-gelbes und rotes Licht, passend zu Verkündigung und
Passion, getaucht ist. Zwei Stunden tun dem gewaltigen Oratorium sehr gut. Die
Aufführung wird auf das Wesentliche beschränkt, insbesondere im dritten Teil
gekürzt. Eine gute Idee, denn erste Ermüdungserscheinungen im Publikum werden
in der kurzen Atempause nach dem zweiten Teil offenbar, so dass sich Tobias
Debold, erfahrener Chorleiter und von 2001 bis 2004 Musiklehrer am Gymnasium in
Schrobenhausen, amüsiert umblickt. Unter Debolds klarer, energischer, aber
schnörkelloser Führung zeigt der eigens gegründete Projektchor
Schrobenhausen-Aichach, wozu er fähig ist. Freude drückt sich aus, nachdem
Tenor Wolfgang Frisch überzeugend und zuversichtlich Erlösung verheißen hat,
dann wieder gibt sich der Chor düster, weil das Weltgericht bevorstehen soll.
"Wonderful" jubeln Sängerinnen und Sänger "For unto us a Child
is born" und geben damit bereits einen Vorgeschmack auf das bekannte
"Hallelujah", das am Ende des zweiten Teils für Furore sorgen wird,
auch wenn in Schrobenhausen – anders als beispielsweise im angelsächsischen
Raum üblich – weder aufgestanden noch mitgesungen wird. Für Arsatius Consort
ist "The Messiah" das letzte Konzert im Reigen der
Jubiläumsveranstaltungen zum 20-jährigen Bestehen. Das Ensemble für Alte Musik
um Musikprofessor Georg Brunner gefällt in gewohnter Manier, fungiert als
zuverlässiger Begleiter und übernimmt im ersten Teil, wenn "Das Kommen des
Messias" verkündet wird, den Part des Erzählers, beschreibt in der
Eingangssinfonie akkurat den Zustand der Sünde, in der Pifa (Pastoral-Sinfonie)
die Geburt des Messias. Die Sopranpartie erfüllt Roswitha Schmelzl mit klarer,
tragender Stimme. Ein bewegender und überzeugender Auftritt. Tenor Wolfgang
Frisch gefällt in seiner Ausdrucksstärke und wird wie Bass Christian Schmidt
den Anforderungen der Solopartien – im Übrigen im englischen Original zu hören
– rundum gerecht. Allein am Altus scheiden sich die Geister. Countertenor
Andreas Pehl erfüllt seinen Part, reicht aber stimmlich nicht an die Kollegen
heran. Die Stimme, dank Falsetttechnik oder Kopfstimme um eine Oktave nach oben
verlagert, verliert dadurch an Klangfülle und trägt einfach nicht in
vergleichbarer Weise. "Mir wäre eine weibliche Altstimme lieber
gewesen", ist nach dem Konzert zu hören, eine andere Konzertbesucherin
meint dagegen: "Der Altus gehört einfach zum Händel dazu". Und was er
an Volumen entbehre, das mache er durch "wunderbar weiche Stimme"
wieder wett. Die Stimmlage des Countertenors ist nun mal Geschmackssache.
Neuburger Rundschau 12.08.2008 Von Dr. Tobias Böcker
Solistische Meisterschaft und facettenreiche Farbigkeit Neuburg - Eine
formvollendete Vorstellung historischer Musizierkunst gab das Arsatius Consort
unter der Leitung von Georg Brunner mitsamt einer ganzen Riege ausgezeichneter
Solisten beim zweiten Konzert für Alte Musik der diesjährigen Sommerakademie.
Mit Werken der Komponisten Antonio Vivaldi, Johann Sebastian Bach und dessen
zweitem Sohn Carl Philipp Emanuel erfreute ein wohl disponiertes Ensemble im
Neuburger Kongregationssaal. Beschwingt, leicht, unterhaltsam, wie auf Flügeln
klingt Antonio Vivaldis Sinfonia G-Dur für zwei Violinen, Viola und b.c. RV
147: Barocke Heiterkeit pur, von einem konzentrierten Ensemble in hoher
Spiellaune dargeboten. In Carl Philipp Emauel Bachs Konzert g-moll für Cembalo
und Streicher wartet als Solistin Christine Schornsheim mit einem beeindruckend
expressiven Vortrag auf, setzt die empfindsame Emotionalität der Komposition um
in effektvoll gefühlsbetonter und jeden Ton auskostender Phrasierung. Vor allem
im Largo beeindruckt die Sensibilität der Darbietung. Dem gegenüber steht in
eindrucksvollem Kontrast der impulsive Sturm und Drang des abschließenden
Allegro und seiner hurtig fließenden Solostimme. Vivaldis Konzert für
Blockflöte, Streicher und b.c. RV 443 spielt Dorothee Oberlinger an der Sopranflöte
mit ungemeinem Esprit, temperamentvoller Virtuosität im temporeichen Allegro,
kultiviertem Klang und gefühlvoller Hingabe im Largo und atemberaubender,
förmlich tirilierender Geläufigkeit im abschließenden Allegro molto: Jubel im
Kongregationssaal! Krönender Abschluss: Johann Sebastian Bachs
Brandenburgisches Konzert Nr. 2 F-Dur BWV 1047 mit hoher Begeisterung aller
Akteure in schwungvoll homogenem Zusammenspiel. Besonders reizvoll erweist sich
die facettenreiche Farbigkeit der historischen Instrumente nicht allein der
gebotenen Authentizität wegen, sondern auch, weil sie in zarter Differenzierung
die feinen Nuancen einer der Klangwelt Bachs nahen Interpretation ermöglicht.
Vor dem transparent musizierenden Arsatius Consort weben Pauline Nobes an der
Violine, Dorothee Oberlinger an der Altflöte, Jaroslaw Rouceck mit hochgradig
anspruchsvollem Part an der ventillosen Barocktrompete und Michael Niesemann an
der Oboe die raffiniert verschränkten Melodiebögen Bachs in aufmerksamem
Zusammenspiel ineinander, erfreuen durch eine durchwegs überzeugende
Interpretation eines Referenzwerks historischer Musizierweise. Alle Achtung!
Schwäbische Zeitung - Friedrichshafen; 6.6.2005 Von Christel Voith
Alle Grußworte in der zum Jubiläum erschienenen Festschrift betonen das
wertvolle Engagement des 1995 gegründeten "Freundeskreises für
Kirchenmusik in der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde". Nur mit seiner
Unterstützung kann die Kantorei der Schlosskirche auch heute noch große
Oratorien, traditionelle Werke von Bach und Händel, aber auch selten
aufgeführte musikalische Kostbarkeiten aufführen, nur so können auch die
übrigen musikalischen Gruppen der evangelischen Gesamtkirchengemeinde gefördert
werden. Das Jubiläumskonzert nahm bereits einen Höhepunkt des Jahres voraus,
machte neugierig auf die am 29. Oktober auf dem Programm stehende "Messe
in h-Moll" von Johann Sebastian Bach. Schon jetzt probt die Kantorei für
die monumentale Messe, die sogar jeden üblichen barocken Rahmen sprengt. Noch
ohne Solisten führte die Kantorei unter Sönke Wittnebel in die gewaltige
Tonsprache ein. Was würde als Einleitung besser zum Jubiläum passen als das aus
der Kantate "Wir danken dir" (BWV 29) stammende "Gratias
agimus". Ein komplexer, wogender vierstimmiger Chor, den die Kantorei
zuletzt als Dank für den herzlichen Applaus wiederholte, diesmal glühender und
dynamischer als beim Auftakt. Ein lebhaft jubelnder fünfstimmiger Chor ist das
Gloria in strahlendem D-Dur, das mit seinem ruhig fließenden Rhythmus pastorale
Stimmung verbreitet, eine Stimmung, die auch im Sanctus weiterwirkt. Man darf
sich jetzt schon freuen auf die vollständige Messe, zumal Kantor Wittnebel
bescheiden anmerkte, dass sie zwar schon intensiv geprobt hätten, aber noch
längst nicht fertig seien.
"Ohrwürmer" auf hohem Niveau
Gespielt hat das Arsatius Consort aus dem bayrischen Schrobenhausen, das auch
im Oktober die Messe auf historischen Instrumenten begleiten wird. Auf hohem
Niveau pflegt das Barockorchester unter Georg Brunner den Klang der alten
Instrumente, der besonders in Händels "Ohrwürmern" zur Geltung kam.
Denn die Kantorei war eigentlich nur der festliche Rahmen für die Aufführung
von Händels Wassermusik und Feuerwerksmusik. Aus 22 zu unterschiedlichen
Anlässen komponierten Einzelsätzen, die als "Wassermusik" laufen,
spielte das Arsatius Consort die D-Dur- und F-Dur-Suite mit ihren Concerti und
Tanzsätzen. Herrlich der Dialog der strahlenden Trompeten mit den ungemein
schwer zu spielenden Naturhörnern, die wenig später in höfischem Tanz mit
lieblichem Klang bestachen. Wunderbar der Ruf der Oboen und Fagotte, aber auch
das sanfte Wogen der Streicher. Ein feuriger Trommelwirbel leitete zuletzt die
pompöse Feuerwerksmusik ein. Auf festliche Klangexplosionen, auf Klangkontraste
und feine Echowirkungen folgte die pastorale Beruhigung im ruhig schwingenden
"La Paix", wo die Trompeten schweigen und die Oboenmelodie den
Frieden malt, bevor ein neues instrumentales Feuerwerk einsetzt.
Zeiler: "Orpheus Ecclesiasticus" -Geistliche Werke;
Schiedermayr: Vokal- und Instrumentalwerke
in: Toccata 09/2003, Johan van Veen
Diese beiden CDs sind Musik aus dem Süden Deutschlands und Österreichs
gewidmet. Gallus Zeiler (1705-1755)war Mönch, seit 1750 Abt dann im Kloster St.
Mang in Bayern. Er komponierte eine Vielzahl geistlicher Werke, die den grosen
Einfluss des italienischen Stils seiner Zeit aufweisen. Diese Aufnahme enthält
vier Kompositionen über den Text des Regina Coeli, ein Magnificat, ein Te Deum,
sowie vier Arien mit vorangestelltem Rezitativ. Diese Musik ist durchaus hörenswert,
und die Interpretation lässt diese Stücke im hellsten Licht erscheinen. Dabei
fallen vor allem die Sopranistin und der Altus positiv auf.
Ganz anders ist die zweite CD: hier handelt es sich hauptsächlich um Musik, die
für den Gebrauch in Kirchen auf dem Lande gemeint war. Johann Baptist
Schiedermayr (1779-1840) war Organist am Dom und Kapellmeister des Theaters in
Linz. Seine Musik ist relativ einfach und direkt ansprechend. Man könnte eine
Aufnahme wie diese als Ergänzung oder Korrektur des üblichen Bildes der
Musikgeschichte jener Zeit betrachten. Keine ´große`Musik, aber wichtig um die
Zeit zu verstehen. Der Tölzer Knabenchor und seine Solisten geben eine
hervorragende Darstellung des Messe G-Dur sowie einiger kurzer Stücke für den
liturgischen Gebrauch. Man fragt sich nur, ob diese Musik damals in den
Dorfkirchen auch so perfekt geklungen hat. Die Instrumentalwerke - Aufzüge für
Trompeten und Pauken und `Linzer Redouten´- werden sehr schön von den beiden
Instrumentalensembles gespielt. Hans Maier spielt dazu noch einige Orgelwerke,
sowie Stücke von Franz Xaver Schiedermayr, einem anderen Mitglied der
Schiedermayr-Familie.
Mit der Eleganz Antonio Vivaldis
CD: Musik des Füssener Abtes Zeiler sorgfältig eingespielt (Klaus-Peter Mayr,
"Der Westallgäuer", 22.10.2002)
In vielen Allgäuer Klöstern entfaltete sich nach dem 30-jährigen Krieg (1648)
bis zur Säkularisation (1802) eine Blütezeit auf den Feldern der Wissenschaft
und Kultur. Aus den Konventen erwuchsen beispielsweise Komponisten, die weit
über ihre Wirkungsstätten hinaus bekannt wurden. Man denke an den Irseer
Meinrand Spieß. Oder an Gallus Zeiler, der im Füssener Benediktinerkloster
(zuletzt) als Abt lebte und den man den "Schwäbischen Vivaldi"
nannte.
Der Musik Zeilers (1705-1755) ist eine neue Aufnahme gewidmet, die unter
Leitung des Füssener Chorregenten Albert Frey an jenem Ort gemacht wurde, an
dem Zeilers Musik zum ersten Mal erklungen war: im Chorgestühl der ehemaligen
Klosterbasilica und heutigen Stadtpfarrkirche St. Mang. Frey versicherte sich
dabei neben seinem Füssener Motettenchor und versierter Solisten wie Roswitha
Schmelzl (Sopran), Sebastian Hübner (Tenor) und Christian Hilz (Bass) auch
eines feinen Originalklangensembles, des "Arsatius Consorts" unter
Dr. Georg Brunner. Den Altus-Part übernahm Frey selbst.
Zu hören ist ein sorgfältig eingespielter Querschnitt durch die geistliche
Musik Zeilers. Frey, Brunner und ihre Sänger und Instrumentalisten
(einschließlich eines Lautenisten) pflegen eine historische Aufführungspraxis
auf hohem Niveau, an dem nicht nur Originalklang-Liebhaber ihre helle Freude
haben dürften. Dabei paaren sich ausgefeilte Interpretationen mit
musikantischer Spiellaune.
Freude kann man aber auch an der Musik Zeilers haben. Der Beiname
"Schwäbischer Vivaldi" kommt nicht von ungefähr. Zeiler verstand es,
eine klare, eingängige und dabei spielerisch-elegante musikalische Sprache zu
sprechen. Die Aufnahme zeigt zudem, dass gelungene Einspielungen nicht nur von
renommierten Orchestern und potenten Plattenfirmen zu erwarten sind, sonder
auch in der so genannten Provinz gelingen. Zum sehr guten Gesamteindruck trägt
auch das Booklet bei, das ausführliche Informationen zum liturgischen,
kompositorischen und kulturgeschichtlichen Hintergrund bietet.
Die Leitheimer Schlosskonzerte 2002 (Andreas Kohlsche, Concerto,
Oktober 2002)
... Einen Schwerpunkt bildete das Wochenende "Auf Mozarts Spuren".
Mozart weilte ja 1778 im benachbarten Kaisheim, und so präsentierte im dortigen
Kaisersaal das Arsatius-Consort unter der Leitung seines Konzertmeisters Georg
Brunner drei frühe Mozart-Sinfonien neben solchen von Hoffmeister, Benda und
dem Augsburger Johann Gottfried Seyfert; auf dem Programm eines zweiten
Konzertes mit Regine Hofmann am Hammerflügel, die sich auch auf dem Cembalo mit
zwei fugierten Andante-Stückchen von Vanhal hören ließ, standen die Kontretänze
KV 609 und die Violinsonate G-Dur KV 301, dazu Werke von Antonio Raccha und
Antonio Kammel sowie eine anonym überlieferte Pantomime. Brunner, der beide
Konzerte unterhaltsam moderierte, hat sein Ensemble, das in variabler Besetzung
mit bis zu 27 Musikern auftritt, zu einem homogenen und intonationssicheren
Klangkörper geformt - der zudem auch noch gut singen kann, wie ein vielstimmig
intonierter Mozart-Kanon zeigte. Ansonsten bilden Ausgrabungen süddeutscher
Kloster-Literatur die Säulen des Repertoires...
Ein beglückendes Erlebnis (Gerhard Heldt, Mittelbayerische Zeitung
Regensburg, 14. Mai 2002)
Domspatzen und Arsatius-Consort mit Mozart-Programm
REGENSBURG. Das Frühjahrskonzert der Domspatzen stand unter dem Motto „Mozart
zum Muttertag", mit dem wohl Publikum angezogen werden sollte. Dennoch war
das Audimax nicht ausverkauft. Der inzwischen zum Kommerz-Event degradierte
Muttertag ist eigentlich zu banal, um ein neues Programm der Domspatzen mit
einem neuen Orchester vorzustellen. Zu hoch ist der künstlerische Anspruch und
war seine überzeugende Einlösung durch den Chor und das Barockensemble
„Arsatius-Consort" (mit originalen und authentischen Instrumenten), als
dass man es nötig gehabt hätte, auf einen lange abgefahrenen Marketing-Zug
aufzuspringen.
Transparenter Klang
Das relativ klein besetzte Instrumentalensemble mit dem vom Konzertmeisterpult
aus leitenden Georg Brunner eröffnete den Abend mit einer kurzen Sinfonie von
Joseph Nikolaus Meißner, einem Freund der Familie Mozart. Das Orchester
überraschte mit transparentem Klang und hervorragend artikuliertem
Zusammenspiel zwischen den Streichern und den dezent aufspielenden Bläsern.
Insgesamt aber war der zurückgenommene feine Klang für das Audimax nicht in
allen Belangen tragfähig, im Zusammenspiel mit den Domspatzen jedoch erwies
sich das Consort als gleichwertiger Partner.
Denn Domkapellmeister Roland Büchner hat mit seinem Chor für Mozart einen
durchsichtig-hellen Mischklang erarbeitet, die Männerstimmen zurückgenommen und
den gewohnten Feinheiten an Dynamik, Artikulation, Phrasierung und Diktion
weitere Nuancen hinzugefügt, die insbesondere die Wiedergabe der
„Credo"-Messe KV 278 zu einem beglückenden Erlebnis werden ließ. Auch dem
Offertorium „Alma Dei creatoris", dem überraschend homophon klingenden
Kanon „Ave Maria" und dem Graduale „Sancta Maria, mater Dei" kam
Büchners Mozart-Klangverständnis sehr entgegen. Die Motette „Ave verum
corpus" ging er im Tempo recht verhalten an und ließ sich so zu einer
nicht mehr ganz zeitgemäßen romantisierenden Interpretation verleiten. Die
beiden Kirchensonaten KV 263 und KV 278 lagen dem Arsatius-Consort hörbar, und
in der Messe lieferten die Instrumentalisten eine ideale Ergänzung zu den
Vokalisten.
Die Arbeit der Domspatzen ist seit 1000 Jahren auf einen perfekten Chorklang
ausgerichtet. Vielleicht gerät heute darüber die Förderung solistischer Talente
etwas in den Hintergrund. An den beachtlichen Solo-Leistungen von Tobias Baierl
(Sopran - ausbaufähig), Severin Kisyma (Alt - zu Recht sehr selbstbewusst),
Robet Buckland (Tenor - ein Ehemaliger mit Zukunft) und Benjamin Appl ((Bass -
mit schönem Material) schmälert das indes nichts.
Kraftvoll, intensiv und stets präsent (Sandizell, Donaukurier,
7.5.2002)
Konzertabend des Arsatius Consorts in der Asamkirche in Sandizell (Sinfonische
Raritäten aus Böhmen und Bayern)
Sie waren vom ersten Moment präsent: Bei der Ouvertüre aus der Oper
"L´Issipile" von Florian Gassmann gelang den 22 Orchestermitgliedern
des Arsatius Consorts ein äußerst kraftvoller Einstieg in den Konzertabend. Die
Musiker unter der Leitung von Georg Brunner setzten isch zum Ziel - als
Höhepunkt der tschechischen Wochen -, sinfonische Raritäten aus Bayern und
Böhmen zu präsentieren. So nahmen sie die Zuhörer in der Asamkirche in
Sandizell bei der Hand und zeigten ihnen musikalische Raritäten. Sie stellten
den Zuhörern unbekanntere böhmische Komponisten wie eben Gassmann oder Georg
Benda vor und spannten den Bogen bis hin zu bayerischen Komponisten wie
Ferdinand Michl, Joseph Meißner und Johann Gottfried Seyfert. Das Konzerte
kulminierte in der Sinfonie in G-Dur (KV 124) von Wolfgang Amadeus Mozart,
steuerte gerade auf den Salzburger Komponisten zu.
Auf der Schwelle vom Barock zur Klassik, zwischen Böhmen und Bayern
siedelten sie ihr sinnvoll arrangiertes Konzert an. Sie spielten wenig bekannte
Freunde und Zeitgenossen Mozarts und zeigten mit ihrer Programmauswahl
musikalisch viele Parallelen auf. Vielleicht zu viele.
Intensiv und fesselnd setzten die Musiker die Stücke um, ohne während der
knapp eineinhalb Stunden an Eindringlichkeit zu verlieren. Sie beherrschten das
Zusammenspiel der unterschiedlichen Instrumente und zeigten ein harmonisches
Ganzes. Hörner, Fagott und Oboen unterstichen den Gleichklang und traten nie zu
sehr in den Vordergrund. Das Cembalo begleitete hartnäckig die Sinfonien.
Die Wirkung der Stücke wurde durch den äußeren Rahmen noch gesteigert:
Das Zusammenwirken der bewegten architektonischen Formen der barocken
Asamkirche mündet in ein Gesamtkunstwerk. Ornamentales und figürliches
Schmuckwerk greifen ineinander über - das Gesamte dominiert über das Einzelne,
wie auch in den Sinfonien. Das Publikum konnte sich zurücklehnen und das
beschwingte Ganze, die sinfonischen Raritäten aus Böhmen und Bayern auf sich
wirken lassen.
Das Arsatius Consort mit einigen Prager Musikern beherrschte die leisen
und lauten Töne, zeigte aber auch die Variationen. Zum Beispiel bei der
Sinfonie in G-Dur von Benda: Die Geigen und Bratschen schlichen sich ganz leise
und behutsam an und wurden immer präsenter. Dann zupften die Musiker ihre
Seiten, während sie von den Flöten begleitet wurden - wie ein Vogelgezwitscher
inmitten einer andachtsvollen Ruhe. Das Orchester war hier zwiefelsohne auf dem
Höhepunkt des Abends angelangt. Das Arsatius Consort verdiente sich den
begeisterten Applaus der zahlreichen Zuschauer redlich.
h-moll-Messe krönt Orgelwoche (Bad Wörishofener Zeitung, 22.9.2000)
Bachs Meisterwerk in Bad Wörishofens Stadtpfarrkirche St. Justina
... Das Arsatius Consort (Leitung und Solovioline: Dr. Georg Brunner) trug
wesentlcih zum Gelingen der Aufführung bei. Ob als gesamter Klangkörper oder in
solistischen Besetzungen mit den strahlenden Trompeten, klangschön geblasenen
Traversflöten und Oboen d`amore: eindruscksvoll zeigte sich die Stilsicherheit
des Ensembles und seine Erfahrung mit historischer Musizierpraxis. Stets sicher
und aufmerksam das Continuo-Ensemble mit Violoncello, Fagott, Bass und
Orgel....
Tolles Konzert... (Neuburger Rundschau, 18.7.2000)
Arsatius Consort und seine sinfonischen Raritäten...
Mit einer C-Dur Sinfonie des seinerzeitigen Mozart-Verlegers Franz Anton
HOffmeister stieg das Arsatius Consort ein, präzis, klar und in nahezu
perfekter Abstimmung. Die historisierende Grundauffassung des Ensembles
überzeugt durch Geschlossenheit, Prägnanz und Transparenz. In ihrer modernen
Sachlichkeit hebt sich das Orchester in postmoderner Zeit chon wieder wohltuend
konservativ ab von so mancher populistischen Unverbindlichkeit unserer Tage.
Dazu tragen die verwendeten historischen Instrumente - vor allem die konvex
geformten Bögen mit der ihnen eigenen Klangwirkung - ein gut Teil bei. Mit
Johann Gottfried Seyferts Sinfonie G-Dur unterstreicht der künstlerische Leiter
Georg Brunner, dass solche Sachlichkeit eine Menge Leben und expressive Wirkung
entfalten kann, wo sie nicht halbherzige Masche bleibt. Unüberhörbar war der
Bezug zum Concentus Musicus von Nikolaus Harnoncourt. Vollends in Mozarts C-Dur
Andante für Flöte und Orchester KV 315 wie in seiner Sinfonie G-Dur KV 74
bewahrheitete sich dessen Bekenntnis zur authentischen Interpretation: `Ich
fühle mich dem Komponisten verpflichtet, dabei verscuh ich auf jede mir
mögliche Weise an sein Werk heranzukommen, es zu verstehen.´ Nur so kommen
Geschichte und Gegenwart, Komponist, Komposition und Hörer zu ihrem Recht.
Martin Wenner verlebendigt auf der Traversflöte folgerichtig einen Mozart fern
der pappsüßen Pistaziencreme im Kern von Salzburger Kalorienbomen. Leicht,
weich und klar zeigt sich Mozarts Liebe zur Melodie und seine betechende
Fähigkeit, sich all dem zu öffnen, was seiner Musik dienlich sein konnte. So
erstrahlt das Genie Mozarts vor der Folie einer Zeitgenossen nur um so heller.
Mozarts B-Dur-Sinfonie KV 182 bildete in diesem Sinne den krönenden Abschluss
eines Konzerts, das versäumt zu haben die Daheimgebliebenen reuen...[Mozart und
seine sinfonischen Freunde]
Aus der Blütezeit der Hofkapelle (Rieser Nachrichten, 16.9.1998)
Arsatius Consort mit historischem Instrumentarium in Oettingen
Die Zeiten, da diese musikalische Bewegung zurück zu den unverfälschten Klängen
der Vergangenheit lediglich als Geplänkel übertriebener Puristen angesehen
wurde, sind heute gottseidank vorbei. Das Wissen um die geschichtliche Bedingtheit
von Musik und ihrer Aufführung ist heute viel stärker verbreitet und verschafft
oft - wie bei diesem Konzert mit dem Arsatius Consort im historischen Festsaal
der Oettinger Residenz - himmlischen Genuß. ... So lagen die Stärken dieses
Konzertes deutlich in der Entdeckung der Schönheit des alten/neuen Klanges...
[In den Sinfonien waren] galante Tändeleien versteckt, die dem Ensemble
reichlich Gelegenheit zu packender Gestaltung gaben... [Mozart und seine
sinfonischen Freunde]
Feurige Einsätze nach dem Feuerwerk (Neuburger Rundschau, 4.8.1998)
Klassik-Open-Air am Donauufer zum Auftakt der Sommerakademie
... Eines der schönsten und längsten Feuerwerke der Neuburger Geschichte ließ
die Zuschauer mit staunenden Augen in den Himmel schauen und mit staunenden
Ohren hören. ... Satter Klang, feurige Einsätze und ... musikalische
Überzeugungskraft machten den zweiten Teil des Abends zu einem unvergeßlichen
Erlebnis. [Händel: Wasser- und Feuerwerksmusik]
Beschwingte Barockmelodien (Münchner Merkur, 2.7.1998)
Verzaubernde Musik in stilvoller Umgebung - diese besondere Mischung war ... im
Schloß Hohenkammer zu erleben... Diese Formation hat sich bereits im In- und
Ausland einen Namen machen können. Zu Recht, da die Musiker nicht nur ihre
Instrumente perfekt beherrschen, sondern auch noch fantastistisch aufeinander
abgestimmt sind.
Den Sinnen ein Fest (Ebersberger Zeitung, 11.6.1997)
Das Arsatius Consort im Wasserburger Rathaus
Ein Fest für die Sinne möchten die Mitglieder des "Arsatius Consorts"
mit ihren Konzerten veranstalten. Gemessen an der Reaktion des Publikums beim
Rathauskonzert am Samstag wurde dieses Ziel vollständig erreicht. Mit viel
Temperament und Musizierfreude wurde dieser Konzertabend über Bach und seine
Wegbereiter in Szene gesetzt, mit dramaturgischen Steigerungen vom Anfang bis
zum Ende... Beim Rathauskonzert in Wasserburg wurde das Arsatius Consort seinem
Ruf mehr als gerecht.
Musik nicht nur zum Zurücklehnen (Wasserburger Zeitung, 12.6.1997)
Das Arsatius Consort im Wasserburger Rathaussaal zu Gast
... Die h-Moll-Suite: Verhalten, tänzerisch in jedem Takt, nie massiv, wie man
dies bisweilen von großen Orchestern gewohnt ist. Die berühmte Badinerie mußte
zur Befriedigung der Zuhörer zweimal herhalten. [Bach und seine Wegbereiter]
Klangerlebnis mit Perger Kammerchor (Perger Anzeiger, 23.12.1997)
Großer Applaus für Bachs Weihnachtsoratorium
... Der große Applaus belohnte die intensive Probenarbeit und bestätigte die
Leistungen der Aufführenden.
Mehr Unbekanntes als Bekanntes aus dem Barock (Donau Kurier,
20.12.1995)
Arsatius Consort konzertierte auf Schloß Hirschberg
... Die vielgehörte "Follia" (op. 1/12) von Vivaldi interpretierten
sie mit rechtem Schmiß und ließen keinen Zweifel darüber, auf welchem hohen
interpretatorischen Niveau sich hier bewegt wird... Mit so viel Charme
gespielt, so entrümpelt, und befreit vom Staub der Jahrhunderte hört man die
alten Meister - nicht nur von Zeit zu Zeit - gern.
Goldene Früchte am Lebensbaum (Südwestpresse, 5.7.1994)
In der Roggenburger Klosterkirche war eine glänzende Aufführung von Haydns
Schöpfung zu hören
... war dies auch der kammermusikalischen Transparenz zu danken, mit der das
Arsatius Consort und die Deutschen Bach-Vocalisten, vierundzwanzig
hervorragende Sängerinnen und Sänger, agierten. Hier waren nicht nur Donner,
Blitze und Stürme nachgezeichnet, hier hörte man auch den "erquickenden
Regen" herniederfallen und sogar den "leichten, flockigen
Schnee": eine filigrane, schlanke Interpretation. Wie am Faden gezogen
wachsen Crescendi hervor, Nuance ersetzt hier Pathos, Detailgenauigkeit steht
an der Stelle einer Überwältigung durch Opulenz.
Anfang eines Abschieds (Mainpost, 9.8.1993)
"Festliche Sommerkonzerte" mit Händel-Werken
... In den folgenden Bewegungsenergien des A-Dur-Konzertes und der Leuchtkraft
des Konzertes in B-Dur entwickelten Düchtel und das Orchester eine imponierende
Dichte des Zusammenspiels. Hervorzuheben sind die beiden Barock-Oboen, die in
unbestechlich klarer Tongebung Klangassoziationen an Trompeten erwecken
könnten. [Händel: Orgelkonzerte]
Rendez-vous manqué avec Arsatius Consort (La Gazette Clermont-Ferrand,
25.2.1993)
L`Arsatius Consort a donné une belle lecon de liberté musicale. Engagé du
Atemberaubende Dynamik (Pfaffenhofener Kurier, 18.3.1992)
... Die Spieler verstanden es, diese Musik sehr rhythmisch, temperamentvoll und
bildhaft vorzutragen.
Perfektes Zusammenspiel von seltener Intensität (Pfaffenhofener
Kurier, 27.7.1991)
... Die große Klasse des Orchesters zeigte sich vor allem in den
Instrumentalstücken, den beiden Kirchensonaten KV 278 und KV 336.
Sinfonische Raritäten aus dem Kloster Scheyern (Musica Sacra,
Regensburg, Heft 6/1997) Ersteinspielungen durch das
Arsatius-Consort. Musica Bavarica CD. MB 75 118
In diesem Benediktinerkloster aus dem Beginn des 12. Jahrhunderts, ca. 50
km nördlich München gelegen, war der Musikalienbestand 1803 spurlos verschwunden.
In den 80er Jahren hat man nun etwa 100 weltliche Handschriften entdeckt, unter
denen 26 Sinfonien des 18. Jahrhunderts sich befinden. Davon hat Musica
Bavarica in der gleichnamigen Reihe nun fünf Sinfonien herausgebracht und
dieselben mit "sinfonischen Raritäten" angekündigt. Das stimmt, wenn
man diese CD hört. Sicher war das in der Zeit echte Unterhaltungsmusik, und das
kann sie auch heute noch sein, nur fragt man sich, wer solche
Unterhaltungsmusik will, junge Leute sicher weniger, und die älteren sagen
vielleicht zurecht, das sei ja seriöse Konzertmusik. Die Kompositionen würden
von der kompositorischen Qualität her durchaus in Sinfoniekonzerten mit Haydn
und Mozart ja sogar Bestand haben, und sie geben Zeugnis von der Qualität des
Musiklebens im 18. Jahrhundert und auch von den Instrumentalisten dieser Zeit,
denn sie verlangen schon allerhand Können, wenn sie so klingen sollen, wie sie
hier das Arsatius-Consort auf Instrumenten der Zeit vorstellt. Die Komponisten
sind Franz Anton Hoffmeister, Joseph Meißner, Johann Gottfried Seyfert und auch
Karl Ditters von Dittersdorf. Das ist gekonnte, lebensnahe Musik und gibt
Zeugnis von dem Musikleben der Zeit in dem Wechsel vom Höfischen zum
Klösterlichen und Bürgerlichen, deshalb sind solche vielerorten entstehende
Ensembles für historische Musik, besonders die des 18. Jahrhunderts so zu
beachten, denn die "großen" spielen so etwas ja nicht, wiewohl es
auch von denen gespielt den Konzertbesuchern gefallen würde. Deshalb größten
Respekt vor den Damen und Herren des Arsatius-Ensembles. Es lohnt sich sehr, da
hineinzuhören.
Franz Stein
Tafelmusik im Kloster Scheyern (Donau Kurier, 2.12.1998)
Wenn sich ein Barockorchester offen zu seiner Vorliebe für sinnliche
Genüsse und leibliches Wohlergehen bekennt, dann ist das zunächst einmal
sympathisch. Solcherlei hedonistische Veranlagungen sind jedoch nicht nur der
Interpretation von Musik des überaus sinnenfreudigen, eben »barocken« 18.
Jahrhunderts sehr zuträglich – sie zeitigen mitunter auch ganz konkrete Ergebnisse,
die im heutigen Musikbetrieb noch etwas Außergewöhnliches darstellen. Dr. Georg
Brunner und das Arsatius Consort legen die nunmehr zweite CD vor, die Musik aus
dem Handschriftenbestand des Klosters Scheyern präsentiert. Unter dem Titel »Eyn
musicalisch Tafelkonfect aus dem Kloster Scheyern« werden acht
kammermusikalische Werke erstmals eingespielt, die der Unterhaltung bei Tisch
dienten: ein Streichquartett, klein besetzte Konzerte, ein Flötenduett,
Cembalo- und Orgelstücke und eine »Pantomima« für Bläser und Streicher.
Doch nicht nur die kleinere Besetzung ist es, die diese CD von der
ersten, ebenfalls in Scheyern eingespielten Aufnahme unterscheidet (Sinfonische
Raritäten aus Kloster Scheyern [Ersteinspielungen]. Arsatius Consort [auf
Originalinstrumenten], Leitung Georg Brunner, 1996 Musica Bavarica, MB 75 118;
wir berichteten). Schon das Gruppenfoto vor dem Scheyerer Portal zeigt den
anderen Schwerpunkt, da der Ehrenplatz einem Koch überlassen ist. Das Booklet
umfaßt denn auch außer einem Beitrag über den Stellenwert der Tafelmusik im
Scheyern des 18. Jahrhunderts und einer Vorstellung von Werken und Interpreten
einen vom Praktiker Ludwig Grieser (ein angesehener Schrobenhausener Gastronom)
verfaßten Beitrag über Tisch- und Tafelkultur des 18. Jahrhunderts, der in
einigen zeitgenössischen Rezepten seinen krönenden Abschluß findet.
Die größte Gruppe innerhalb der Musikhandschriften aus Scheyern nehmen
die Streichquartette ein. Als erstes Stück der vorliegenden Aufnahme erklingt
das um 1770 publizierte Streichquartett des böhmischen Geigers und Komponisten
Antonio Kammel (1730–ca. 1788), der vor allem in London wirkte. Von Francesco Gasparini (1668–1727) stammt
ein Concerto für Traversflöte, 2 Violinen und Continuo in a-moll. Hier
besticht der warme Klang des Soloinstruments vor allem im wiegenden
Siciliano-Mittelsatz.
Johann Baptist Vanhal (1739–1813) weilte zu Beginn des Jahres 1790 für
zwei Wochen im Kloster Scheyern. Von ihm stammen zwei Andantesätze für Cembalo
(d-moll und F-Dur). Cembalo- und Orgelmusik dürfte am häufigsten zur
Untermalung von Tafelfreuden gedient haben, da hierfür am wenigsten Ausführende
erforderlich waren. Auch von Johann Georg Albrechtsberger (1736–1809), einem
bedeutenden Wiener Kontrapunktlehrer, ist ein Stück für Tasteninstrument
aufgenommen: seine F-Dur-Fuge für Orgel.
Von Giuseppe Martini (1703–1779) stammt das Violinkonzert in A-Dur. Das
Eingangsmotiv im ersten Satz mit seiner absteigenden Quarte erinnert auffällig
an den Schlußsatz von W. A. Mozarts Klavierkonzert Nr. 25 in C-Dur, KV 503:
dort folgt ein zweiter Quartensprung. Zwar ist die rhythmische Gewichtung
unterschiedlich doch die Ähnlichkeit ist auffällig und ließe sich durch den
Umstand begründen, daß Mozart in Bologna bei dem Bruder Martinis Unterricht
hatte. Das Violinkonzert bietet Georg Brunner Gelegenheit zur virtuosen
Entfaltung des Soloinstruments.
Ein Duett für zwei Traversflöten des ansonsten unbekannten Komponisten
Antonio Raccha vertritt eine sehr beliebte Gattung der galanten Zeit.
Abschließend ist ein mit zwei Hörnern, zwei Geigen, Fagott und Baß besetztes
Musikstück, eine »Pantomima« eines anonymen Komponisten, eingespielt, das seine
Nähe zur Volksmusik nicht verleugnen kann.
Die musikalische Interpretation wird Stil und Anspruch der Werkchen in
vollem Umfang gerecht. Es handelt sich in jeder Hinsicht um gehobene
Unterhaltungsmusik, gefällig und eingängig. Die kleine Besetzung erlaubt
durchweg transparentes, schlankes Musizieren, und die Freude an der
Sinnesfreude wird von den Ausführenden unmittelbar weitergegeben.
Somit erfüllt das »musicalische Tafelkonfect« auch heute noch seinen
Zweck voll und ganz. Davon konnte sich die Verfasserin beim sonntäglichen Mahl
überzeugen. Wenn das Violinkonzert von Martini den Sauerbraten mit Knödeln mit
Wohlklang einfängt, das Flötenduett in betörender Süße die Nachspeise
umschmeichelt und die Hörner der Pantomima beim Abtragen des Geschirrs flott
sekundieren, dann kommt man in den Genuß des Dargebotenen. Es sei hiermit zur
Nachahmung wärmstens empfohlen.
(CD "Eyn musicalisch Tafelkonfect aus dem Kloster Scheyern",
Preis: DM 34,80; erschienen im MPV-Musikverlag, Pfarrer-Loidl-Str. 9a, 83052
Heufeld, Bestellnr.: AM 9108.1)
Christine Jakobi
Sinfonische Raritäten aus dem Kloster Scheyern
Eyn musicalisch Tafelkonfect aus dem Kloster Scheyern (Alte Musik Aktuell,
Januar 2000)
Sinfonien und Kammermusik aus den Handschriften-Beständen des Klosters
Scheyern (ca. 50 km nördlich von München) stellt das Arsatius Consort auf zwei
CDs vor. Es handelt sich durchweg um Ersteinspielungen. Die Werke stammen ganz
überwiegend aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und besitzen hohen
Quellenwert: Sie sind teilweise nur hier überliefert. Die Sinfonien decken das
Spektrum der sogenanten Vor- und Frühklassik ab, lassen manche Wege zu den Wiener
Klassikern erahnen oder auch Wege neben ihnen.... Das Arsatius Consort
musiziert mit Schwung und stilistischer Versiertheit...
... das "musicalisch Tafelkonfect"... [bringt] Kammermusik (bzw.
Tafelmusik) aus den klösterlichen Beständen zu Gehör. Das sorgfältig gestaltete
Textheft bring soziologische Hintergrundinformationen zum Bereich der Feste,
der Tisch- und Tafelkultur und der Tafelmusik im Kloster, darüberhinaus als
"Schmankerl" einige Rezepte (wie wär´s z.B. mit Hecht am Spieß oder
gegrilltem Krammetsvogel?), die mit Anekdoten gewürzt werden. Da darf die
Buntheit der Musik nicht nachstehen: Es beginnt mit dem Streichquartett D-Dur
op. 4/3 des Pragers Antonio Kammel (1770 in London veröffentlicht), das neben
reifem galantem Stil eine unbändige Spielfreude zeigt. Francesco Gasparinis
Flötenkonzert a-Moll (um 1720) ist dagegen noch ganz barock gehalten und wohl
das früheste der eingespielten Werke. Es folgen ein Violinkonzert von Giuseppe
Martini, eine anonyme "Pantomima" für 2 Hörner, 2 Violinen, obligates
Fagott und Baß (die Kopie stammt von Jakob Freystaedtler - ja, der in dem
berühmten Mozart-Kanon! Und tatsächlich: Erinnern Besetzung und eingängiger
Tonfall nicht ein kleines bißchen an Mozarts Dorfmusikantensextett?) sowie
kleinere Stücke für Orgel, Cembalo bzw. 2 Traversflöten von Vanhal,
Albrechtsberger und Antonio Raccha. Sowohl die kaleidoskopartige Auswahl als
auch das beherzte und souveräne Musizieren des Arsatius Consorts geben ein
plastisches Bild von klösterlicher Lebensfreude vor gut 200 Jahren.
Der Repertoirewert beider CDs ist naturgemäß sehr hoch...
Felix Loy
Orgelkonzerte op. 18 von Marianus Königsperger (Mittelbayerische
Zeitung, Regensburg, August/2000) Orgel von Hellring kam zu
CD-Ehren. Norbert Düchtel spielte mit Arsatius Consort Werke von Marinaus
Königsperger ein
Frater Marianus Königsperger, 1708 in Roding geboren und nach einer
Ausbildung als Singknabe seit 1734 als Laienbruder im Benediktinerkloster
Prüfening tätig, gehörte zu den bekanntesten Klosterkomponisten des 18. Jahrhunderts.
Seine Werke, darunter Kompositionen für die Kirche und Instrumentalwerke und
(leider verschollen) Singspiele und Schulkomödien waren seinerzeit in ganz
Süddeutschland, Österreich und der Schweiz verbreitet. Königspergers Renommee
beruhte nicht zuletzt darauf, dass er es verstand, wirksame Gebrauchsmusik für
bescheidene musikalische Besetzungen zu schaffen. Das merkt man auch seinen als
op. 18 veröffentlichten Orgelkonzerten an: neben dem Soloinstrument sind nur
zwei Violinstimmen und Violapart zwingend vorgeschrieben: Cello, Hörner und
Trompeten können im Einzelfall bei Aufführungen je nach den vorhandenen Mitteln
hinzutreten. Von diesen reichlichen Möglichkeiten macht die vorliegende
Ersteinspielung sämtlicher acht Konzerte der mit `Certamen musicum´, d.h.
`Musikalischer Wettstreit´ betitelten Sammlung Gebrauch. Die Neuproduktion ist
vorzüglich gelungen: das Arsatius Consort unter Leitung von Georg Brunner
musiziert in variierender Besetzung zusammen mit Norbert Düchtel an der Orgel
der Wallfahrtskirche Hellring. Man kann sich kaum eine Orgel vorstellen, die
geeigneter für die Wiedergabe von Königspergers Kompositionen wäre: ein dem
Stadtamhofer Orgelbauer Brandenstein zugeschriebenes, um 1740 entstandenes
Instrument, das auch in seiner heutigen restaurierten Fassung noch ganz den
Klangcharakter seiner Entstehungszeit besitzt. Die acht sämtlich in gängigen
Dur-Tonarten stehenden dreisätzigen Konzerte - zwei sind abweichend als
`Pastorellen´ bezeichnet - zeigen sich weltzugewandt und sinnenfroh. Ihre spielerisch-galante
Haltung im Übergang vom Spätbarock zum Rokoko entfaltet sich in der
vorliegenden Einspielung ganz leicht und schwerelos; ein Gegengewicht bilden
die Adagio-Mittelsätze, die auch einmal nach Moll ausweichen und in denen ein
weich-empfindsamer Ton angeschlagen wird.
Gerhard Dietel